top of page
  • Autorenbild: Britta Eriskat
    Britta Eriskat
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 10 Stunden


Wildkirschkerne-Sammlung #1

von Mäusen geknackte und angenagte Kirschkerne, mit Leipziger Schreibtinte und Edding refill geschwärzt – in Lübecker-Marzipan-Schachtel. © 2026 Britta Eriskat





Gestern abend haben wir im Atelierprojekt über Forrest Bess gesprochen.


Geboren 1911, tagsüber als Fischer in Texas tätig, nachts Maler. Ein Journalist nannte seine Hütte „the loneliest spot in Texas." Trotzdem stellte er bei Betty Parsons im New York der 60er Jahre aus. Er wollte seine Arbeiten am liebsten nicht im White Cube, sondern auf tiefschwarzen Wänden gezeigt sehen — „dead black gallery", wie er es selbst nannte. Dies ist erst 2022 im Camden Art Centre in London realisiert worden. 45 Jahre nach seinem Tod immerhin.


Die Vorstellung, wie Bess da tagsüber in seinem Boot sitzt und fischt und nachts diese Bilder macht, in seiner ganz eigenen Bildsprache, gab meinem Tag zum Schluss noch einmal einen interessanten Twist, nachdem mein Denken sich tagsüber stark um die Pläne von Friedrich von Borries und seinem KI-Projekt „Art of X" — einer KI-Plattform, die Modelle entwickelt, die „wie Künstler:innen denken" — gedreht hatte.


Forrest Bess' Arbeit entspricht dem Großteil der Adjektive, die Art of X für sich reklamiert: kritisch, kraftvoll, verstörend, radikal.

Zumindest die letzten drei treffen auf Bess und sein Werk voll zu. Und ich kann mir nicht vorstellen, wie jemand so Radikales jemals durch eine KI simuliert werden könnte. Bess war kein Künstler, weil er eine bestimmte Methode hatte. Seine Malerei war sein Transformationsmedium, sein Mittel sich zu entwickeln, der oder das zu werden, zu dem es ihn hindrängte. Dieser wenig akademische Ansatz war wohl auch der Grund, weshalb seine Kunst als Outsider Art tituliert wurde.


Vielleicht bezieht sich die KI von Borries ja auch gar nicht nur auf bildende Künstler, die ja nicht unbedingt immer auch gewaltig mit Worten sind? Keine Ahnung. Aber muss man der KI nicht auch die richtigen Fragen stellen, um richtungsweisende Antworten zu bekommen? Und wer ist der potenzielle Fragesteller, der eine künstlerische KI befragen soll? Wirtschaftsboss? Jurist? Politiker? Künstler? Und mit welchem Ziel — worauf will Borries hinaus? Der Wirtschaft oder der Politik helfen, Zukunftsfragen zu beantworten?


So wie Florence Gaub, die Militärexpertin und Zukunftsforscherin, die Science-Fiction-Romane als Quellen für militärische Zukunftsszenarien nutzt. Das finde ich super. Aber Gaub ist offenbar selbst sehr kreativ — und sie hat diese Bücher gelesen, sonst wüsste sie ja nichts davon. Der Zugang zu Kunst muss also erst einmal da sein.


Mir fehlt der Link, damit ich kapiere, worauf von Borries hinauswill. Welche KI sollte solch ein Leben wie das von Forrest Bess simulieren können. Ohne Körper. Ohne Visionen. Ohne eigenen Antrieb?

Danke an Jess Walter und das Atelierprojekt München für den wieder einmal sehr tollen Impuls!
 
 
 
bottom of page